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Wechselstromphysik 9 Technische Anwendungen - Siebketten Vorbemerkungen Nach der Theorie geht es jetzt um die Praxis.
Was kann man mit unserem Wissen aus den ersten acht Kapiteln
anfangen. Es geht vor allem darum bei elektronischen Verschaltungen
Störfrequenzen her- auszufiltern und nur die gewünschten
Frequenzen durchzulassen. Meist werden RC−Schaltungen benutzt,
weil eine Spule beim Aus- schalten sehr hohe Selbstinduktionsspannungen erzeugen kann, die zur Zerstörung von Bauelementen führen
können. RC bedeutet, dass ein Ohmscher
Widerstand R mit einem Kondensa- tor C kombiniert wird.
Je nachdem, wo man jetzt die Ausgangsspan- nung UA
abgreift, gibt es einen Tiefpass oder einen Hochpass. Ein Tiefpass bedeutet, dass nur tiefe bzw.
niedrige Frequenzen durchge- lassen werden, während hohe Frequenzen
gesperrt werden. Beim Hochpass ist es entsprechend umgekehrt. Aufbau
Tiefpass Ein typischer Aufbau besteht aus einem Ohmschen Widerstand und einem Kondensator, wobei die Ausgangsspannung
(oder Abgangs- spannung) am Kondensator
abgegriffen wird. Man hat also folgendes Aussehen
Es wird also eine Spannung UE
(Eingangsspannung) zugeführt, die dann als Ausgangsspannung UA für
einen Arbeitsstromkreis zur Ver- fügung gestellt wird. In Diagrammen wird häufig das Verhältnis
zwischen UA zu UE darge- stellt, weil man hieraus gut ablesen kann,
wieviel der Eingangsspan- nung wirklich als
Ausgangsspannung zur Verfügung steht. Berechnung
des Verhältnissen UA zu UE Wir knüpfen an das Kapitel 6 an.
Diagramm−Grenzfrequenz Das Diagramm hierzu sieht folgendermaßen aus. (Vorgabe: R = 120 kΩ, C = 10000 pF)
Erklärung: Man sieht, dass zunächst für kleine
Frequenzen der Wert UA
/ UE im
Bereich von 1 liegt. Für kleine Frequenzen
entspricht die Abgangs- spannung der
Eingangsspannung. Der Kondensator hat einen extrem hohen Widerstand, so dass praktisch die
gesamte Eingangsspannung hieran abfällt. Je größer f wird, umso
geringer ist die Impedanz, d.h. umso geringer wird UC = UA. Irgendwann teilt sich UE
gleichmäßig auf R und C auf, d.h. UR = UC. Die Frequenz, bei der dies der Fall ist, wird
Grenzfrequenz genannt. Da UR = UC in der
Reihenschaltung ( I überall gleich) bedeutet, dass die Widerstände gleich groß sind, d.h. R = XC
wird dies häufig zur Definition der Grenzfrequenz benutzt.
Grenzfrequenz für obiges Beispiel (RC−Tiefpass):
Wählen wir das obige Beispiel (R=120 kΩ,
C = 10000 pF) ergibt sich für die Grenzfrequenz fg
= 133 Hz, welche im Diagramm grün einge- tragen ist. Der Bereich links von fg
wird Durchlassbereich, der Bereich rechts davon Sperrbereich genannt. Bei der Grenzfrequenz ergibt sich ein
Verhältnis von UA zu UE von 0.707, wie man in folgender Berechnung sieht.
Dies ist auch im Diagramm
noch einmal eingetragen. Anwendungen Überall wo man hohe Störfrequenzen vermeiden
will, kann man den Tiefpass anwenden. Beim induktiven
Laden wird neben dem eigentlichen Glättungskon- densator noch ein Tiefpass
benutzt, um die letzten Brummfrequenzen zu entfernen (LINK). Im Akustikbereich werden Frequenzweichen
benutzt, um die ent- sprechenden Frequenzen den zugehörigen
Lautsprecherboxen (Bass-, Hochtöner) zuzuführen. Hochfrequenzrauschen und unerwünschte
Oberschwingungen kön- nen aus elektronischen
Verschaltungen herausgefiltert werden. Aufbau
Hochpass Da natürlich zwischen der Spannung am
Kondensator und der Span- nung am Widerstand ein
quadratischer Zusammenhang besteht, muss ein Tiefpass einfach nur durch einen
geänderten Abgriff, nämlich am Widerstand zu einem Hochpass werden. Wenn
bei niedrigen Frequenzen die Spannung am Kondensator hoch
ist, muss sie gleich- zeitig am Widerstand klein sein. Es gilt ja:
(UE)2 = (UR)2 + (UC)2 Die Spannungen beeinflussen sich also
gegenseitig. Wir greifen also beim Hochpass einfach die
Abgangsspannung am Widerstand R ab. Wir haben also folgenden Aufbau.
Das Verhältnis zwischen UR zu UE
lässt sich entsprechend dem Tiefpass bestimmen.
Das Diagramm hierzu sieht folgendermaßen aus. (Vorgabe: R = 120 kΩ, C = 10000 pF
Einen solchen Aufbau kann man dazu benutzen,
eine Trennung von Gleichspannung und Wechselspannung
vorzunehmen. Da die Gleich- spannung nicht durchgelassen
wird, gelangt nur die Wechselspan- nung zum Arbeitstromkreis. Dies könnte folgendermaßen aussehen. Eingangsspannung:
Ausgangsspannung
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