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Wechselstromphysik 5

 

Phasenverschiebung - Zeigerdiagramme

 

Vorbemerkungen

 

In diesem Kapitel soll es um die Phasenverschiebung im Wechsel-

stromkreis gehen. Dies bedeutet, dass der Stromstärkeverlauf nicht

mit dem Verlauf der Spannung übereinstimmt, sondern sie gegen-

einander verschoben sind. Beide Verläufe haben natürlich die Form

einer Sinuskurve, aber liegen bei Kondensator und Spule nicht mehr

im Einklang mit der vorgegebenen Netzspannung.

 

Ohmscher Widerstand

Hier gilt Folgendes:

 

Dies sieht dann in einem gemeinsamen Diagramm folgendermaßen

aus.

Zeigerdiagramm

 

In der Wechselstromphysik ist es üblich, sich die Vorgänge dynamisch

vorzustellen. Hierzu dient ein sogenanntes Zeigerdiagramm.

Dieses Diagramm besteht aus zwei Kreisen, jeweils ein Kreis für

Spannung und Stromstärke. Der Radius der Kreise entspricht dem

maximalen Wert von Spannung bzw. Stromstärke. In diese Kreise

trägt man zwei Pfeile (=Zeiger) ein, die jeweils bis zum Kreisumfang

reichen, also die Länge der Maximalwerte aufweisen. Beide Pfeile

drehen sich auf dem Kreis entgegen dem Uhrzeigersinn mit der Kreis-

frequenz ω.

Die Projektion der Zeiger auf die y-Achse ergibt dann den Momentan-

wert der beiden Größen zu bestimmten Zeiten, die sich aus dem

Winkel am Kreis ergeben (90° ≡ T/4, 180° ≡ T/2 usw.).

 

Die folgende Geogebra-Animation zeigt das Prinzip:

Quelle: GeoGebra

 

Walter Fendt hat dies in seiner Animation auch mit dem physikalischen

Aufbau verknüpft.

 

Quelle: Walter Fendt

 

Kapazitiver Widerstand

Im Idealfall eines Stromkreises ohne ohmschen Widerstand gelten

für die Spannung und die Stromstärke folgende Formeln (s. Kapitel 4).

 

 UC(t) = Umax ∙ sin(ωt) = U0(t)     und  I(t) = Imax ∙ sin(ωt + ½ π)

 

Das Diagramm des zeitlichen Verlaufes hat dann folgendes Aussehen:

Beim Kondensator sind also die Graphen gegeneinander verschoben.

Es liegt eine Phasenverschiebung vor. Man orientiert sich bei der

Größe der Phasenverschiebung an der Stromstärke und schaut wie

die Wechselspannung zur Stromstärke liegt. Am besten kann man

sich dabei am entsprechenden Zeigerdiagramm orientieren.

 

Quelle: GeoGebra

 

Man sieht schön im linken Zeigerdiagramm, dass der rote Strompfeil

dem blauen Spannungspfeil vorausläuft, d.h. die Spannung im Kon-

densatorkreis hinkt um 90° oder π/2 hinterher.

Es liegt beim Kondensator also eine Phasenverschiebung von – π/2

vor.

Hier auch noch einmal die entsprechende Animation von W. Fendt.

(Hinweis: Auf Kondensator umstellen s. Bild)

Quelle: Walter Fendt

 

Anschauliche Erklärung für die Phasenverschiebung (s.o.):

T/4:

Quellenspannung = Kondensatorspannung maximal → Kondensator

voll aufgeladen → kein Ladungsfluss mehr → Stromstärke = 0 A

zwischen T/4 und T/2:

Ladungen fließen ab → Spannung nimmt ab → Stromstärke nimmt zu

T/2:

Stromfluss am größten → keine Ladungen auf dem Kondensator →

Spannung am Kondensator = 0 V

zwischen T/2   und ¾ T:

Kondensator wird entgegengesetzt zu T/2 aufgeladen → Stromstärke

nimmt ab → Spannung nimmt zu

¾ T:

Kondensator voll aufgeladen → Spannung maximal → Strom-

stärke = 0 A

 

Induktiver Widerstand

 

Aus dem Kapitel 3 zur Wechselstromphysik ergibt sich für eine Spule

im Wechselstromkreis (mit R ≈ 0 Ω):

 

 U0(t) = Umax ∙ sin(ωt)     und  I(t) = Imax ∙ sin(ωt − ½ π)

 

Der zeitliche Verlauf von Spannung und Stromstärke sieht dann wie

im folgenden Diagramm aus.

Auch hier sind offensichtlich die Graphen gegeneinander verschoben.

Nur das in diesem Fall die Spannung der Stromstärke vorauseilt, wie

auch die GeoGebra-Animation zeigt.

 

Quelle: GeoGebra

 

Bei der Spule haben wir also eine Phasenverschiebung von +π/2.

Die Spannung läuft der Stromstärke voraus.

Hier die entsprechende Animation von Walter Fendt.

(Hinweis: auf Spule umstellen)

Quelle: Walter Fendt

 

Anschauliche Erklärung für die Phasenverschiebung:

Es gilt U0(t) = − Uind(t)  (s. Kapitel 3). Es besteht also ein enger Zu-

sammenhang zwischen der Generatorspannung (blau) und der In-

duktionsspannung.

T/4:

Stromstärke ändert sich besonders stark → Induktionsspannung und

somit Generatorspannung maximal ( Uind(t) = − L ∙ I‘(t) )

T/2:

Stromstärke ändert sich nicht → Spannung = 0 V

¾ T:

Stromstärke ändert sich stark (anderes Vorzeichen als bei T/2) →

Spannung maximal mit anderem Vorzeichen

 

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