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Wechselstromphysik 8

 

Leistung im Wechselstromkreis

 

Vorbemerkungen

 

Wir knüpfen mit diesem Kapitel an unsere Bemerkungen zu den

Effektivwerten an. Dort haben wir die Leistung graphisch betrachtet.

Jetzt wollen wir einmal eine mathematische Herleitung vornehmen.

Es wird sich zeigen, dass man die Wechselstromleistung aus einem

konstanten Anteil (= mittlere Leistung) und einem zeitlich veränder-

lichen Teil zusammensetzen kann.

Es findet zunächst die allgemeine mathematische Herleitung statt.

Danach wird auf die einzelnen Bauelemente und Verschaltungen

im Detail eingegangen. Wir werden uns dabei im Wesentlichen im

Physikalischen aufhalten und nur kleine Ausflüge in den Bereich der

Elektrotechnik machen.

 

Mathematische Betrachtung der Momentanleistung

Ausgangspunkt ist unsere allgemeine Formel für die Leistung, nämlich

P = U ∙ I. Im Wechselstrombereich muss diese aber zeitlich betrachtet

werden, da U und I von der Zeit abhängen. Die Leistung ist also eine

zeitlich veränderliche Größe im Wechselstrom, ganz anders als beim

Gleichstrom.

Es gilt also:

 

Dies wäre also die Momentanleistung zu einem bestimmten Zeitpunkt

Der hintere Term entspricht im Wesentlichen der Kosinus-Funktion,

d.h. wir haben genauso viel Fläche oberhalb wie unterhalb der

t-Achse, somit ergibt sich im Mittel keine verrichtete Arbeit (s. Effektiv-

werte). Es wird an dem Stromkreis Arbeit verrichtet (positive Fläche),

aber genauso viel wird wieder zur Quelle zurückgeführt (negative

Fläche). Hieraus ergibt sich im Mittel keine verrichtete Arbeit, also die

mittlere Leistung 0 W.

 

Wirkleistung

Der vordere Term ist dagegen konstant und hängt nicht von der Zeit

ab, also bleibt dieser bei einer Mittelung über die Zeit übrig.

Die mittlere Leistung oder Durchschnittsleistung im Wechselstromkreis

entspricht also diesem Term.

Man nennt diese Leistung auch Wirkleistung.

 

 

Wirkleistung

Die Wirkleistung PW eines Wechselstromkreises

bestimmt sich mit

 

  PW = IeffUeff ∙ cos ρ  

mit

Ieff = effektive Stromstärke

Ueff = effektive Gesamtspannung

ρ = Phasenverschiebung zwischen I(t) und U(t)

 

 

Gehen wir jetzt einmal auf die einzelnen Bauelemente und Schaltun-

gen genauer ein.

Ohmscher Widerstand

Beim Ohmschen Widerstand galt (s. Kapitel 5).

U(t) = Umax ∙sin(ωt)  und I(t) = Imax ∙ sin(ωt)

also keine Phasenverschiebung (ρ = 0).

Betrachten wir mal das Beispiel: Umax = 8 V und Imax = 8 A. Dann sieht

der Leistungsverlauf folgendermaßen aus:

rot: P(t); lila: Pw ; grün: hinterer Term; oben rechts: Funktionsterme

Erläuterung:

Die momentane Leistung liegt immer im Positiven, d.h. es wird laufend

Arbeit am Stromkreis verrichtet. Dies ist zumeist Wärmearbeit am

Widerstand.

Die Wirkleistung ist konstant und hat den Wert, den wir schon im Be-

reich Induktion über Flächenvergleiche bestimmt haben.

Der variable Teil hat genauso viele Flächenanteile oberhalb wie unter-

halb.

 

Induktiver Widerstand (Spule)

Hier gilt

U(t) = Umax ∙sin(ωt)  und I(t) = Imax ∙ sin(ωt − ½ π)

ρ = ½ π → Die Spannung läuft voraus (s. Zeigerdiagramm).

Wir nehmen dieselben Werte wie oben.

 

Man sieht es gibt keine Wirkleistung („lila“ auf der t-Achse). Man

spricht von einer Blindleistung. Insgesamt wird keine Arbeit verrichtet

am Stromkreis.

Hinweis:

Man kann der Blindleistung auch einen festen Wert zuweisen (s. hierzu Exkurs am Schluss)

 

Kapazitiver Widerstand

Hier gilt

U(t) = Umax ∙sin(ωt)  und I(t) = Imax ∙ sin(ωt + ½ π)

ρ = − ½ π → Die Spannung läuft hinterher (s. Zeigerdiagramm).

Wir nehmen dieselben Werte wie oben.

 

Ähnliche Verhältnisse wie bei der Spule, was die Leistung betrifft.

 

RCL−Reihenschaltung

Hier wird im Beispiel einfach ρ = ¼ π angenommen.

 

Hier liegt der Fall nicht mehr so einfach, da mehr Flächenanteile von

P(t) oberhalb als unterhalb liegen. Es muss also Leistung an den

Stromkreis abgegeben worden sein. Somit gibt es eine Wirkleistung

(lila) und eine Blindleistung (grün).

Da die Momentanleistung z.T. sehr hoch sein kann, muss diese be-

rücksichtigt werden, weil Bauelemente im Stromkreis beschädigt

werden könnten. Zur Wirk- und Blindleistung kommt dann die Schein-

leistung als weiterer Begriff hinzu.

 

Exkurs: Wirk−, Blind− und Scheinleistung

Über die Wirkleistung haben wir schon besprochen. Sie ergibt sich

aus dem Term  PW = UeffIeff ∙ cos(ρ).

Schauen wir uns einmal an, was dies im Zeigerdiagramm bedeutet.

 

Erläuterung:

Wir haben einen um die Phase φ verschobenen Strom vorliegen.

Zerlegen wir den Stromvektor mal in zwei Komponente, eine parallel

zu U und die andere senkrecht zu U. Dann sieht man, dass die

parallele Komponente zur Wirkleistung beiträgt, während die andere

Komponenten keinen Wirkbeitrag leistet. Dies wäre also die Kompo-

nente für die Blindleistung.

 

Die Blindleistung wird somit festgelegt mit

 

 

Blindleistung

Die Blindleistung PB eines Wechselstromkreises

bestimmt sich mit

 

  PB = IeffUeff ∙ sin ρ  

mit

Ieff = effektive Stromstärke

Ueff = effektive Gesamtspannung

ρ = Phasenverschiebung zwischen I(t) und U(t)

 

 

Beides zusammen ergibt die Scheinleistung.

 

 

Scheinleistung

Die Scheinleistung PS eines Wechselstromkreis-

es bestimmt sich mit

 

  PS = IeffUeff   

mit

Ieff = effektive Stromstärke

Ueff = effektive Gesamtspannung

 

 

Zwischen den Leistungen ergibt sich folgender Zusammenhang.

 

 

 

Häufig wird auch ein Leistungsdreieck gezeichnet.

Hinweis: Wer noch an weiteren Informationen zu den verschiedenen Leistungen und den

Konsequenzen für Wechselstromkreise interesssiert ist, sollte sich entsprechende Standard-

werke der Elektrotechnik besorgen.

 

 

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